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2017 09 22 c650cba9 hubert Copyright privatSchwestern und Brüder im Herrn,

„Stellen Sie sich vor, es ist Adventszeit, und keiner geht hin und kauft Geschenke zum Weihnachtsfest!“

Na, das wäre ja eine schöne Bescherung, ganz ohne Bescherung! Stellen Sie sich vor es ist Adventszeit und Niemand schmückt mehr das Haus, kein Adventskalender, kein Wunschzettel. Keiner backt die Plätzchen, singt mit den Kindern Adventslieder oder probt ein Krippenspiel. Kein Adventskranz und Tannenbaum mehr, keine Kerzen. Totalausfall der Adventszeit!

Ich habe überlegt: Sollten wir in diesem Jahr mal zur Totalverweigerung aufrufen? Dieser Verweigerer eben, der hatte ja Gewissensgründe, nicht nur „gewisse Gründe“ für seine Ablehnung. Ich habe nachgedacht – bin dann zu einem anderen Vorschlag gekommen. Wie fänden Sie das: Nicht weniger Advent, sondern mehr Advent! Das ganze Jahr Advent! Nein, damit meine ich nicht 365 Tage „Jingle Bells“, Bing Crosby oder Florian Silbereisen. Auch nicht das ganze Jahr diese rotgekleideten Kerle, die auf den Dächern sitzen oder ins Fenstern schauen. Auch nicht ein ständiges Sortiment von Lebkuchen und Nikoläusen bei ALDI (die man ab September kaufen kann). Sind das nicht alles eher Zeichen einer Hilflosigkeit, mit denen Menschen dem Fest gegenüberstehen?
Meine These heißt: Wir feiern eigentlich zu kurz die Adventszeit. Wie ist das gemeint? Gut, der Rummel in der Adventszeit geht ja einige Wochen. Aber das soll ja eigentlich eine Fasten- und Besinnungszeit sein. Ist es beides nicht. Doch was wäre, wenn wir einmal auf alle Vorbereitung verzichten würden? Das Feiern würde vielleicht ausfallen. Aber das Christfest findet trotzdem statt. Denken Sie einmal an ihren Geburtstag. Wenn Sie ihn nicht feiern, nichts vorbereiten oder keine Gäste einladen, dann mag das Feiern ausfallen – Geburtstag haben Sie trotzdem. Weihnachten findet statt, ob wir uns vorbereiten oder nicht. Weihnachten passiert, weil Gott in die Welt kommt.

Als sich Weihnachten zum ersten Mal ereignete, war absolut gar nichts vorbereitet. Es gab keine besondere Zeit für die Vorbereitung. Gott kommt einfach so, weil er es will – in unsere Welt. Er macht den ersten Schritt auf uns zu und scheut keine Berührung mit dem Chaos dieser Welt und meines Lebens. In Jesus Christus wird dieser Gott einer von uns und teilt das ganze Menschsein mit uns. Und gerade dort, wo wir keinen anderen Menschen hinschauen lassen, wo es uns peinlich ist, dass unser Leben so unaufgeräumt ist, wo Angst uns prägt und lähmt – gerade dort will er uns besuchen. Wo wir nichts mehr tun können, keine großen Aktivitäten möglich sind – gerade dort kommt er mir entgegen. Er kommt dort wo die Liebe einen Platz bekommt, wo dem Frieden eine Chance eingeräumt wird, wo Menschen sich als Geschwister verstehen und Schritte zur Versöhnung wagen.

Ja, es ist schon richtig: Gott kommt. Er ergreift die Initiative, ob wir wollen oder nicht. Gott macht dem Menschen eine große Liebeserklärung. Nicht nur einmal im Jahr, sondern jeden Tag aufs Neue.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie bei allen Vorbereitungen zum Weihnachtsfest das Wesentlichste nicht übersehen. Gott kommt zu uns – zu Ihnen und zu mir. Er gibt dem Leben Tiefe und Sinn, Halt und Orientierung. Der Adventsverweigerer, der richtig gut drauf ist, der feiert 365 Tage im Jahr Advent. Diese Erfahrung wünsche Ihnen, ja, dann werden Sie auch Weihnachten jeden Tag feiern können.

Für das Seelsorgeteam
Pfr. Hubert Grütz

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