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Liebe Leserin, lieber Leser,

„Die Arbeit an sich, ist die Arbeit an SICH“

Diesem Satz bin ich kürzlich begegnet. Er hat mich zum Nachdenken gebracht…

Jeder Mensch ist absolut einzigartig. Gott ist die Quelle von allem Geschaffenem. Wir Menschen besitzen sein Wesen und sind geschaffen nach seinem Bild. Ich bin ein Leben lang eingeladen, mich von Jesus in mein wahres Leben hinein verwandeln zu lassen. „Wenn jemand in Christus ist, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden“ (2Kor 5,17). Jesus hat uns die frohe Botschaft gebracht, die uns frei macht, Freude bringt und entlastet. Das Reich Gottes will in und durch uns sich ausbreiten. Es ist Licht und Leben!

Interessant ist ein Wort unseres Papstes Franziskus zur Frage der Tradition. Er sagt: „Es gibt de facto die Versuchung, Gott in der Vergangenheit zu suchen oder in den Zukunftsmöglichkeiten. Gott ist sicher in der Vergangenheit, denn man findet ihn in den Abdrücken, die er hinterlassen hat. Er ist auch in der Zukunft, als Versprechen. Aber der - sagen wir - konkrete Gott ist heute. Daher hilft das Jammern nie, nie um Gott zu finden“.

Ja, wir alle müssen an uns arbeiten. Wir müssen uns verändern, statt andere verändern zu wollen. Jesus hilft uns. Sein Geist führt uns aus einer religiösen, leistungsorientierten Denkweise in eine befreiende und heile Vater-Kind-Beziehung.

In Liebe
Ihr Pfarrer Manfred Endres

 

Eine kleine Geschichte:

„Immer mehr“

In einem Hafen liegt ein ärmlich gekleideter Mann in seinem Fischerboot und döst. Ein Tourist kommt hinzu und spricht ihn an: „Sie werden heute einen guten Fang machen.“ Kopfschütteln des Fischers. „Aber man hat mir gesagt, dass das Wetter günstig ist.“ Kopfnicken des Fischers. „Sie werden nicht mehr ausfahren ?“ Die knappe Antwort: „Ich bin heute morgen schon ausgefahren.“ Aber wenn sie heute ein zweites, ein drittes, vielleicht sogar ein viertes Mal ausführen, würden sie drei, vier, fünf, vielleicht gar zehn Dutzend Makrelen fangen!“ Der Fischer nickt. „Sie würden“, fährt der Tourist fort, „nicht nur heute, sondern an jedem günstigen Tag zwei-, dreimal, vielleicht viermal ausfahren – wissen Sie, was geschehen würde?“ Der Fischer schüttelt den Kopf. „In einem Jahr könnten Sie einen Motor kaufen, in vier Jahren vielleicht einen kleinen Kutter haben, ein Kühlhaus bauen, vielleicht eine Räucherei, später eine Marinadenfabrik. Sie könnten ein Fischrestaurant eröffnen, den Hummer ohne Zwischenhändler direkt nach Paris exportieren – und dann …“, dem Fremden verschlägt es vor Begeisterung die Sprache. „Dann“, fährt er mit stiller Begeisterung fort, „dann könnten sie beruhigt hier im Hafen sitzen, in der Sonne dösen – und auf das herrliche Meer blicken.“

„Das tu‘ ich ja schon jetzt“, sagt der Fischer und schließt langsam wieder die Augen. Immer mehr haben wollen und müssen – den Tag möglichst effektiv nutzen – nach dem Motto „höher – weiter – schneller“ zu leben – das sind Vorgaben, denen wir scheinbar tagtäglich ausgesetzt sind. Kennen Sie das? Noch schnell mal telefonieren. Schnell mal irgendetwas nachschauen. Noch schnell eine Kleinigkeit essen oder einen Kaffee trinken! Noch dazu macht es die unsägliche „to go-Mode“ ja wunderbar möglich, quasi „im Gehen“ zu essen und Kaffee zu trinken.

Die Urlaubszeit lädt uns ein, endlich „mal etwas langsam“ zu machen. Und auch wenn Sie jetzt keinen Urlaub haben - Jeder Sonntag lädt uns dazu ein, alles „etwas langsamer“ angehen zu lassen. Am siebten Tag der Woche gönnte sich sogar Gott einen Tag zum Ausruhen. Wenn schon Gott nach getaner Arbeit Ruhe braucht, wie viel mehr brauchen wir Menschen Zeiten der Entspannung und Stille, Zeiten des Auftankens und des Hörens. Der Sonntag ist eine von Gott geschenkte Ruhe-Zeit. Wir haben die Freiheit, sie so zu gestalten, dass es für uns eine Erholung wird für Körper, Geist und Seele und wir neue Kraft tanken können.

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