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Weihnachten in Indien – das bedeutet 25 Grad und Sonnenschein, Mangozweige und Bananenstauden mit Blumengirlanden. Pfarrer Gabriel Gnanathiraviam, der bis April diesen Jahres in der Pfarreiengemeinschaft „Am Kreuzberg, Bischofsheim“ tätig war ist in seine indische Heimat, in den Bundesstaat Tanil Nadu, an der südindischen Westküste, zurück gekehrt. Doch zu seinen Freunden in der Rhön hält er nach wie vor engen Kontakt. In E-Mails, Telefonaten und Whatsapp-Nachrichten berichtet er immer wieder von den Herausforderungen in seiner Gemeinde sowie seiner neuen Tätigkeit und Verantwortung bei der Leitung einer Schule in einem der ärmsten Stadtviertel von Madurai.

Derzeit ist Pfarrer Gabriel jeden Tag mit den Kindern seiner Gemeinde unterwegs zum sogenannten „Christmas Carol“, einer Art Weihnachtssingen. „Wir ziehen wie die Sternsinger in Deutschland von Haus zu Haus und singen Lieder“, berichtete er am Telefon. „Von sechs Uhr Abends bis zehn Uhr sind wir unterwegs. Wir haben am 3. Dezember begonnen und werden bis 22. Dezember jeden Tag singen. Der Pfarrer muss natürlich mit dabei sein.“

 

Für Pfarrer Gabriel ist dies eine schöne Gelegenheit die Familien seiner Pfarrerei zu besuchen und näher kennen zu lernen. „Es herrscht so eine große Armut. Es ist eine sehr arme Gegend, denn die Menschen sind die Nachkommen der sogenannten Unberührbaren.“ Doch die Freude über den Besuch der Kinder und natürlich des Pfarrers sei immer sehr groß ebenso wie die Gastfreundschaft. „Es sind arme Menschen mit einem tiefen Glauben an Gott.“

 

In den vergangenen Jahren war Pfarrer Gabriel in der Rhön als Sternsinger gemeinsam mit Bürgermeister Georg Seiffert und weiteren Akteuren auf dem Kreuzberg unterwegs. Dick eingepackt mit mehreren Lagen Hosen, dicker Mütze, Handschuhen und Schal so kannten ihn die Menschen in der Rhön und freuten sich immer über ihren verfrorenen indischen Geistlichen. „Hier friere ich nicht. Wir haben es schön warm wenn wir abends zum Weihnachtssingen gehen“, berichtete er nun und lacht herzlich. Allerdings vermisst er schon ein wenig das typisch deutsche weihnachtliche Ambiente mit Schnee, Weihnachtsmarkt und Glühwein. „Ich denke oft an Euch und danke für die Unterstützung.“

 

Denn Unterstützung benötigt Pfarrer Gabriel in seiner neuen Gemeinde. Neben seiner pastoralen Tätigkeit als Leiter der Pfarrei hat eine Schule mit zehn Klassen, mit 885 Schülern und 37 Lehrerkräfte zu verwalten. Da nur 26 Lehrerinnen ihr Gehalt von der Regierung bekommen ist Pfarrer Gabriel in der Pflicht die weiteren Lehrkräfte, zwei Reinigungskräfte und den Wachmann zu entlohnen. „Damit wir genügend Geld bekommen, veranstalten wir selbst Feste. Die Schülerinnen haben getanzt. Es gab Sport und Spiel für die Kinder und die Eltern stellten die Verpflegung zur Verfügung.“

 

Der Erlös von 400 Euro war ein wichtiger Beitrag, um für einen weiteren Monat die Kosten der Schule zu tragen. Pro Monat hat Pfarrer Gabriel 1.100 Euro aufzubringen, denn das Schulgeld das die Eltern für den Schulbesuch aufbringen müssen, deckt nur fünf bis sechs Monate die Kosten ab. „Bildung ist für die Kinder so wichtig, es ist der Schlüssel für ihre Zukunft.“

 

Pfarrer Gabriel, der in der Pfarreiengemeinschaft Am Kreuzberg, Bischofsheim als bescheiden und zurückhaltend bekannt war und nie Forderungen für seine eigene Bequemlichkeit stellte, freut sich sehr, dass die Rhöner ihn weiterhin unterstützen. Das Spendenkonto wird über die Kirchenstiftung Unterweißenbrunn geführt.

 

„Wir beten für Euch und die Pfarreiengemeinschaft und danken für die Großzügigkeit.“ Wenn nun zu Weihnachten in der indischen Kirche in Pfarrer Gabriels Pfarrei St. Antonius in Palanganatham die Weihnachtskrippe aufgestellt wird, wird er auch an die Rhöner Weihnachtskrippen in den Kirchen und die Menschen zurück denken.

 

„Weihnachtskrippen sind in Indien ein großes Thema. Eine Krippe muss in allen Kirchen stehen. Ab 23. Dezember werden die Kirchen prächtig geschmückt. Mit schier unendlichen Blumengirlanden, Mangozweigen, die ebenfalls über und über mit Blumen geschmückt sind. Lautsprecher werden durch die Straßen getragen und überall erklingen christliche Weihnachtslieder.“

 

Der Heilige Abend wird in Pfarrer Gabriels Heimat jedoch nicht als Familienfest mit Bescherung gefeiert. Richtig los geht es erst um 23 Uhr, wenn der Chor in der Kirche singt und die Menschen zum Gottesdienst strömen. Um Mitternacht wird zum Gloria die Krippe enthüllt und Jesus für alle sichtbar hineingelegt. Die Messe wird im Freien gefeiert und im Anschluss wird miteinander Weihnachten gefeiert. „Das ist ein schöner Brauch, wenn alle bleiben miteinander essen und trinken und sich frohe Weihnachten wünschen.“

 

Wer sich Gabriel Gnanathiraviam weiterhin verbunden fühlt und ihn unterstützen möchte, der kann das über das Konto der Kirchenstiftung Unterweißenbrunn auch weiterhin tun. Alle Belege zur Verwendung der Gelder sendet er nach Deutschland, so dass eine Transparenz gegeben ist. Die Bankverbindung lautet: IBAN DE74 7935 3090 0011 1736 63 BIC: BYLADEM1NES bei der Sparkasse Bad Neustadt

 

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