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29. September 2019 - Unterweißenbrunn

Ein Kirchturm ohne Glocken das ist in christlichen Gemeinden kaum vorstellbar. Glocken rufen zum Gottesdienst und Gebet, die Totenglocke kündet vom Heimgang eines Mitbewohners und sie geben die Zeit an. In Unterweißenbrunn wird das in den nächsten Monaten fehlen, beziehungsweise nur eingeschränkt möglich sein.

Zwei der vier Glocken mussten demontiert werden, da sie reparaturbedürftig sind. Wie Kirchenpfleger Franz Schubert erklärt, sei bei der Glockenwartung festgestellt worden, dass die Krone und Aufhängung der größten Glocke gerissen ist. Um eine Reparatur komme die Kirchengemeinde nicht herum. Da auch die kleine Glocke an der Krone Schäden aufweist und der Schlagring verschlissen ist, wurde beschlossen, beide Glocken reparieren zu lassen.

Die Fenster waren zu klein

Doch ganz so einfach waren die Glocken nicht abzunehmen. Beide haben ein stattliches Gewicht und so war es zunächst nötig,  das Fenster im Glockenturm durch einen Steinmetz öffnen zu lassen. Der mittlere Steg musste herausgenommen werden. Erst dann war der Weg frei, die beiden Glocken nacheinander per Autokran aus dem Turm zu heben.

Eine diffizile Arbeit, denn die große Glocke mit 740 Kilogramm und die kleine mit 420 Kilogramm mussten nicht nur abmontiert und sicher an der Halterung des Krans befestigt werden, sondern auch in luftiger Höhe durch die schmale Fensteröffnung herausgehoben werden. Da war Millimeterarbeit gefragt. Hinzu kam, dass es ausgerechnet zum angesetzten Termin in Strömen regnete. Doch beide Male gelang es. Langsam wurden die Glocken herabgelassen und auf dem Anhänger abgesetzt. Eine dritte Tour war nötig, um den Klöppel der große Glocke nach unten zu bringen.

Viel ist über die Geschichte der Glocken der Unterweißenbrunner Kirche nicht bekannt.  Auf der kleineren Glocken steht die Inschrift "Anno 1748". Die Glocke ist verziert mit Ornamenten, christlichen Darstellungen und einem Schriftzug. Deutlich nüchterner ist die große Glocke, die nur im oberen Bereiche Schriftzeichen aufweist.

Franz Schubert hofft, dass sich im Zuge der Reparatur noch Informationen zu den Glocken ergeben. Vom Hörensagen weiß er, dass während des Zweiten Weltkriegs die Glocken der Unterweißenbrunner Kirche konfisziert wurden. Eingeschmolzen wurden die jedoch nicht, denn nach Kriegsende kamen sie von Hamburg aus zurück in die Heimat.

Wann kommen die Glocken zurück?

Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf rund 17.000 Euro. Zuschüsse bekommt die Kirchenstiftung von der Stadt Bischofsheim (15 Prozent), der Diözese Würzburg  (20 Prozent) und dem Landkreis Rhön-Grabfeld (fünf Prozent). Von den örtlichen Vereinen habe bereit die Jagdgenossenschaft ihre Unterstützung zugesagt.

Im Februar sollen die reparierten Glocken zurück nach Unterweißenbrunn kommen. Bis dahin bleibt das Turmfenster offen, wird aber mit dem Fenstergitter verschlossen, was als Schutz gegen die Witterung notwendig ist. Erst nachdem die Glocken wieder im Kirchturm hängen, wird der Steinmetz die Stege wieder anbringen.

Keine Uhrzeit

Zwei Glocken sind im Kirchturm verblieben, sie werden künftig zum Gottesdienst und Gebet rufen. Doch die Uhrzeit wird in Unterweißenbrunn vorerst nicht mehr durch die Glocken verkündet. Die große Glocke war für den Schlag zur vollen Stunde zuständig, mit den verbleibenden kleineren Glocken Viertel, Halb und Dreiviertel anzugeben erschien nicht sinnvoll, erklärte Schubert und bittet die Bevölkerung um Verständnis für diese Entscheidung.

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